Beruflich orientierte Interventionen in der Psychotherapie
Vortrag auf dem 27. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 26. bis 28. Februar 2018 in München
Diskussionsgegenstand:
Vorgestellt wird eine Auswertung zu der Fragestellung, welche Rolle beruflich orientierte Maßnahmen in der Routine der Richtlinienpsychotherapie spielen. Hintergrund ist, dass die medizinisch beruflich orientierte Rehabilitation (MBOR) in somatischen und insbesondere in psychosomatischen Rehabilitationskliniken nach Beendigung der stationären Rehabilitationsmaßnahme eines Transfers und einer Verstetigung in der ambulanten Nachbetreuung bedarf.
Vorgehensweise:
134 Fallberichte mit Anträgen auf Verhaltenstherapie nach den Psychotherapierichtlinien wurden ausgewertet auf die Merkmale Diagnose, Therapieproblem(e) und soziodemografische Daten (Geschlecht, Alter, Bildungsniveau, Arbeitsstatus) hin. Hauptergebnis ist, dass in 26,8 % der Berichte Arbeitsplatzprobleme ermittelt wurden, jedoch nur in 10,4 % als eines der Behandlungsziele genannt wurden und in 7,4 % konkrete arbeitsplatzbezogene Lösungen angestrebt wurden.
Fazit:
Ein relevanter Teil der Patientinnen und Patienten in der Richtlinienpsychotherapie sind MBOR-Fälle, das heißt sie haben Arbeitsplatzprobleme und damit eine gefährdete Erwerbsprognose. Explizite arbeitsbezogene Therapieziele und Interventionen geschehen jedoch selten und Psychotherapeutinnen und -therapeuten scheinen eher auf der Funktions-, beziehungsweise Symptom-Ebene und weniger auf der Ebene der Fähigkeiten zu arbeiten, obwohl eine nach ICF-Kriterien erweiterte Fallsicht sich gerade in der Psychotherapie anbietet.