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Angaben zum Praxisbeispiel

Arbeitsplatzgestaltung für einen Schleifer mit einer Oberschenkelamputation

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber betreibt eine Schleiferei und beantragte (über den Arbeitgeberverband) die Zustimmung zur fristgemäßen Kündigung eines schwerbehinderten Mitarbeiters. Als Begründung trug der Arbeitgeber vor, dass sich der Grad der Behinderung (GdB) von 50 auf 100 gesteigert habe. Der Mitarbeiter sei dadurch nur noch eingeschränkt und nicht mehr wirtschaftlich einsetzbar. Außerdem wurden die steigenden Arbeitsunfähigkeitstage und die dadurch bedingten Lohnfortzahlungen als wirtschaftlich nicht mehr zumutbar beanstandet.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

- Oberschenkelamputation rechts mit Phantomschmerzen sowie Geschwürbildung am Oberschenkelstumpf bei Nutzung der Beinprothese
- Gicht- und Fettstoffwechselstörung mit Gelenkstörung
Der Mann ist stark gehbehindert und körperlich nur sehr eingeschränkt für das manuelle Heben und Tragen von Lasten einsetzbar. Der GdBbeträgt 100. Der Schwerbehindertenausweis trägt das Merkzeichen G und aG.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann arbeitet bei seinem Arbeitgeber seit vielen Jahren als Schleifer.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Der Mann arbeitet im Produktionsbereich der Schleiferei an einer Schleifmaschine. Zu seinen Aufgaben gehören u. a. Planschleifarbeiten und der dazu erforderliche Materialtransport.
Die Verkehrswege der Schleiferei sind wegen des von den Werkstücken (Stammblätter) abgegebenen Restkühlmittels feucht und somit für den gehbehinderten Mitarbeiter nicht trittsicher - es besteht eine erhöhte Unfallgefahr.
Der Arbeitsplatz ist für eine stehende Körperhaltung konzipiert, der Mitarbeiter benutzte als Stehhilfe eine Holzkiste, um seine Körperhaltung belastungsbedingt ändern zu können. Außerdem müssen die zu bearbeitenden Werkstücke mit einem Durchmesser von ca. 610 mm und einem Gewicht von ca. 6,5 kg manuell von auf dem Boden stehenden Paletten in die Werkstückaufnahme der Schleifmaschine gehoben werden.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Eine Veränderung der Körperhaltung und Reduzierung der Belastung während des Schleifvorgangs wird durch den Einsatz eines Hochstuhles mit Aufstieghilfe und Arthrodesen-Sitz ermöglicht.
Die zu bearbeitenden Werkstücke werden auf Paletten gestapelt und mittels einem neu angeschafften Elektro-Gabelhubwagen zur Weiterberarbeitung an die Schleifmaschine transportiert. Mit dem Gabelhubwagen können die Werkstücke auch auf die erforderliche Höhe zum Schieben des Materials in die Werkstückaufnahme der Schlafmaschine befördert werden.
Der Schleifvorgang läuft voll automatisch ab, bis auf die Zustellarbeiten beim Verschleiß der Schleifscheibe. Danach ist das Werkstück zu wenden und von der zweiten Seite zu bearbeiten. Anschließend wird das Fertigteil mit Hilfe des Gabelhubwagens aus der Werkstückaufnahme entnommen und zur Abholung bereitgestellt. Dazu werden die Fertigteile in der Näher der Maschine in einem Zwischenlager nicht flach abgelegt, sondern hochkant abgestellt, damit die verbleibenden Kühlmittelreste ablaufen und die Stammblätter trocknen können.
Je nach Verschleiß der Schleifscheibe ist ein Austausch nötig, wobei der Werkzeugträger mit dem aufgebrauchten Schleifmittel entnommen und gegen einen neuen ausgetauscht werden muss. Ebenso wie das Aufstellen der Werkstücke zur Trocknung, können auch die Arbeiten zum Werkzeugwechsel und der Späneentsorgung vom schwerbehinderten Mitarbeiter und seinen Kollegen im Wechsel ausgeführt werden, um Erholungspausen zu ermöglichen und um starke und einseitige Belastungen zu vermieden.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte aus der Gruppe:

ISO 28 03 09
Arbeits- und Bürostühle (Arthrodesenstühle)
ISO 28 03 12
Hocker und Stehsitze (Stehhilfen)
ISO 28 06 06
handgeführte Hubwagen (Gabelhubwagen)

Förderung:

Durch die beschriebene Maßnahme konnte der Arbeitsplatz des schwerbehinderten Mitarbeiters gesichert werden - der Arbeitgeber zog seine Kündigung zurück. Die behinderungsgerechte Gestaltung wurde vom Integrationsamt gefördert.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrationsämter.



Schlagworte und weitere Informationen

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  • Sicherheit /
  • Sitz /
  • Stehen /
  • Stehhilfe /
  • Stehsitz /
  • Stoffwechsel /
  • Stoffwechselerkrankung /
  • Stuhl /
  • technische Beratung /
  • Teilhabe /
  • Teilhabe am Arbeitsleben /
  • Tragen /
  • Transport /
  • Transportgerät /
  • Transporthilfe /
  • Unfallgefahr /
  • Unfallverhütung /
  • Vollzeitarbeit

  • EFL - Gehen /
  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal) /
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz) /
  • EFL - Stehen (längeres/vorgeneigt/Rotation) /
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne) /
  • ERGOS - Bücken /
  • ERGOS - Laufen (Gehen) /
  • ERGOS - Stehen /
  • ERGOS - Tragen /
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz) /
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben /
  • IMBA - Arbeitssicherheit /
  • IMBA - Arbeitszeit /
  • IMBA - Gehen/Steigen /
  • IMBA - Geneigt/Gebückt /
  • IMBA - Heben /
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten) /
  • IMBA - Stehen /
  • IMBA - Tragen /
  • IMBA - Unfallgefährdung /
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)


Referenznummer:

R/PB2972



Informationsstand: 03.01.2012