Inhalt

in Praxisbeispielen blättern

  • Beispiel

Angaben zum Praxisbeispiel

Betriebliches Eingliederungsmanagement für einen Maschinenschlosser mit einer Arm- und Beinbehinderung - behindertengerechte Arbeitsplatzgestaltung

Mitarbeiter

Der 45 Jahre alte Maschinenschlosser ist schwerbehindert mit einem Grad der Behinderung (GdB) von 60 und arbeitet seit 24 Jahren beim Arbeitgeber. Der Maschinenschlosser fertigt Maschinenbauteile an einem CNC-Bohrwerk an. Tischgroße Metallteile werden manuell per Kran auf den Bohrtisch gelegt, eingespannt und mit dem Bohrwerk bearbeitet.

Arbeitgeber

Der Metallbearbeitungsbetrieb hat 380 Beschäftigte. Er verfügt über eine Schwerbehindertenvertretung und hat das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) noch nicht eingeführt.

Fallschilderung

Der Maschinenschlosser hatte einen Motorradunfall mit schweren Verletzungen und Trümmerbrüchen am rechten Arm und Bein.
Nach 12 Monaten nimmt die Sozialberaterin aus der Rehabilitationsklinik Kontakt mit der Schwerbehindertenvertretung des Betriebes auf, um die Arbeitssituation und eine Wiedereingliederung auf einem anderen Arbeitsplatz zu klären.
Der rechte Arm und das rechte Bein des Maschinenschlossers sind eingeschränkt. Der Maschinenschlosser kann mit diesen Einschränkungen seine bisherige Arbeit nicht mehr verrichten. Ein anderer Arbeitsplatz, an dem die Einschränkungen auszugleichen sind, steht im Betrieb nicht zur Verfügung. Die Geschäftsleitung teilt der Schwerbehindertenvertretung mit, dass sie über eine Kündigung nachdenkt. Die Vertrauensperson für Schwerbehinderte macht der Personalleiterin deutlich, dass, wenn Schwerbehinderte im Arbeitsleben Probleme haben, das Integrationsamt eingeschaltet werden soll, um zu schauen, mit welchen Leistungen und Hilfen das Arbeitsverhältnis erhalten werden kann. Das Präventionsgespräch mit dem Integrationsamt wird veranlasst.

BEM-Gespräch


Gesprächsverlauf:

An dem Gespräch nehmen der Maschinenschlosser, die Schwerbehindertenvertretung, der Bereichsleiter, der Meister und vom Integrationsamt ein Ingenieur als technischer Berater teil.
Der technische Berater des Integrationsamtes schlägt vor, den Arbeitsplatz des Maschinenschlossers der Behinderung entsprechend umzubauen. Die Bohrmaschine soll so umgebaut werden, dass der Maschinenschlosser sie mit einer Hand bedienen kann. Die vorhandene Krananlage soll auf Fernbedienung umgestellt werden. Schränke für die Bohrer sollen behindertengerecht gestaltet werden, so dass das Werkzeug mit einer Hand entnommen und bedient werden kann. Der Fußboden soll angeglichen werden und ein ergonomischer Stuhl das Ausruhen ermöglichen. Der Maschinenschlosser war sehr von den Vorschlägen angetan, was alles für ihn umgebaut werden soll, damit er seine Arbeit behalten kann. Es beruhigte und erleichtert ihn.

Wünsche und Vorstellungen

Der Maschinenschlosser will seinen Arbeitsplatz behalten.

Maßnahme

Umbau des bisherigen Arbeitsplatzes. Anpassung an die Behinderung des Maschinenschlossers.

Umsetzung der Maßnahme

Nachdem alle von der Idee des beratenden Ingenieurs des Integrationsamt überzeugt sind, werden ein Kostenvoranschlag eingeholt und ein Antrag auf Leistungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen vom Arbeitgeber an das Integrationsamt gestellt.
Zusätzlich bekommt der Maschinenschlosser einen Computer. Damit kann er von seinem Arbeitsplatz aus das Bohrwerk programmieren, was sonst nur vom Arbeitsplatz des Meisters aus möglich gewesen ist. Der Maschinenschlosser absolviert Lehrgänge, um das Bedienen der CNC-Bohrmaschine zu erlernen und Programme für die CNC-Maschine selbst zu schreiben.

Abschluss

Die Wiedereingliederung zeigt, dass der Maschinenschlosser den Anforderungen eines Acht-Stunden-Tages nicht mehr gewachsen ist. Vier Stunden sind kein Problem. Die Mutter des Maschinenschlossers hatte bereits in der Ausbildung eine private Berufsunfähigkeitsversicherung für ihren Sohn abgeschlossen. Bei ihr wird der Antrag auf Zahlung wegen Berufsunfähigkeit gestellt. Der Maschinenschlosser bekommt von der Versicherung eine Rente und hat damit keine finanziellen Einbußen.

Fazit

Durch das zielgerichtete Handeln der Schwerbehindertenvertretung und die Einschaltung des Integrationsamtes, konnte eine Kündigung verhindert werden. Von den Kosten der Maßnahme musste der Arbeitgeber lediglich 20 % finanzieren. Die Arbeit kann der Maschinenschlosser ohne Probleme verrichten, Krankenzeiten sind außer einer OP zum Entfernen der Schrauben und Platten, die ihm nach seinem Unfall eingesetzt worden waren, keine aufgetreten.
Bei der jährlichen Begehung der Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsarzt wurde deutlich, dass von dieser Maßnahme alle Beschäftigten in der Abteilung profitieren. Die Fernbedienung der Krananlagen soll nun für alle Mitarbeiter installiert werden.

Zusatzinformation

Nach § 17 SchwbAV (Leistungsarten) werden Anträge zur behinderungsgerechten Einrichtung von Arbeitsbedingungen für schwerbehinderte Menschen (§ 26 SchwbAV) vom Arbeitgeber an das Integrationsamt gestellt.
Dazu ist einem formlosen Antrag der Schwerbehindertenausweis, der Feststellungsbescheid, der Arbeitsvertrag, ein Kostenvoranschlag beizufügen. Das Integrationsamt fragt nach der Schwerbehindertenquote im Unternehmen und nach der Inklusionsvereinbarung, danach richtet sich die Höhe der Förderung. Im Einzelfall kann diese zwischen 50 % und 80 % liegen. Das Integrationsamt ist nachrangiger Leistungsträger. Es ist nur bei drohender Kündigung oder zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei schwerbehinderten und gleichgestellten Menschen zuständig.
Nach § 19 SchwbAV werden vom Integrationsamt die Kosten für die Ausbildung des schwerbehinderten Menschen im Gebrauch technischer Arbeitshilfen bis zur vollen Höhe übernommen.

Quelle



Schlagworte und weitere Informationen

  • Arbeitgeber /
  • Arbeitnehmer /
  • Arbeitsaufgabe /
  • Arbeitsorganisation /
  • Arbeitsplatzgestaltung /
  • Arbeitsstuhl /
  • Arbeitszeit /
  • Arm /
  • Armbehinderung /
  • Bein /
  • Beinbehinderung /
  • berufliche Rehabilitation /
  • Best Practice /
  • Betriebliches Eingliederungsmanagement /
  • Bohrarbeit /
  • Bohren /
  • Bohrmaschine /
  • CNC /
  • Computer /
  • Disability Management /
  • Einhandbedienung /
  • Erwerbstätigkeit /
  • Fortbildung /
  • Gehen /
  • Halten /
  • Hebegerät /
  • Heben /
  • Hilfsmittel /
  • Industrie /
  • Integrationsamt /
  • Körperbelastung /
  • Körperhaltung /
  • Kran /
  • Kündigung /
  • Maschine /
  • Maschinenarbeit /
  • Maschinenbediener /
  • Maschinenbedienung /
  • Maschinenschlosser /
  • Metall /
  • Organisation /
  • Portal Gute Praxis / Prävention und Arbeitsschutz /
  • Produktion /
  • Programmierer /
  • Programmierung /
  • Qualifizierung /
  • Rehabilitation /
  • Schlosser /
  • Schulter-Armbewegung /
  • Stehen /
  • Stuhl /
  • Talentplus /
  • technische Beratung /
  • Teilhabe /
  • Teilhabe am Arbeitsleben /
  • Teilzeitarbeit /
  • Tragen

  • EFL - Gehen /
  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal) /
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz) /
  • EFL - Stehen (längeres/vorgeneigt/Rotation) /
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne) /
  • ERGOS - Laufen (Gehen) /
  • ERGOS - Reichen /
  • ERGOS - Stehen /
  • ERGOS - Tragen /
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz) /
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben /
  • IMBA - Arbeitszeit /
  • IMBA - Armbewegungen /
  • IMBA - Gehen/Steigen /
  • IMBA - Heben /
  • IMBA - Stehen /
  • IMBA - Tragen /
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)


Referenznummer:

Pb/110884



Informationsstand: 20.11.2014